Schließung wegen Brandschutz: Das Kino ist tot, es lebe das Kino!

Veröffentlicht am 06. Juni 2024 von diva 3 min

Das Kino ist geschlossen. Die Schließung für die Öffentlichkeit wurde von der Bauaufsicht wegen der defekten Brandmeldeanlage angeordnet. Diese wurde, nach Angaben der zuständigen Firma, seit 2018 nicht mehr gewartet und ist schon seit Längerem außer Betrieb. Warum das ausgerechnet jetzt ein Problem wird, wirft bei uns Fragen auf.

Brandschutz ist uns ein großes Anliegen. Uns ist wichtig, dass das Kino sicher betrieben wird, der Schutz unserer Gäste ist eine unserer obersten Prioritäten. Deshalb haben wir bereits zu Beginn neue Feuermelder installiert, Feuerlöscher angeschafft, die Fluchtwege freigeräumt und viel brennbaren, eingelagerten Müll entsorgt. Vorübergehend konnten wir in Absprache mit der Feuerwehr mithilfe einer Brandwache und Schließung des großen Kinosaals weiter Programm machen. Die Feuerwehr leitete vorschriftsgemäß unseren Fall jedoch an die Bauaufsicht weiter, die nun den öffentlichen Betrieb untersagt. Warum das genau jetzt passiert? Warum die mit der Feuerwehr abgestimmten Maßnahmen vorübergehend nicht ausreichen? Warum wir keine professionelle Beratung durch die Bauaufsicht bekommen, was wir ändern könnten, um einen öffentlichen Betrieb zu gewährleisten? Wir wissen es nicht.

Das reiht sich für uns ein in eine Politik, die basisdemokratische Ansätze, Selbstorganisation und gute Ideen durch bürokratische Quälerei verunmöglicht und untersagt. So werden Kontrolle und Repressionen auf eine kaum sicht- und kritisierbare Art durchgesetzt und entmutigen die Menschen, ihr Viertel aktiv mitzugestalten. Natürlich ist Brandschutz wichtig und wir halten uns an die Schließung. Jedoch haben ähnliche Projekte in der Vergangenheit immer wieder erlebt, dass unter dem Deckmantel des Brandschutzes Räumungen durchgeführt oder Mietverträge gekündigt wurden. Bürokratie der Bürokratie wegen halten wir für zutiefst undemokratisch. Denn selbst wenn wir bald die Brandmeldeanlage repariert bekommen würden oder die Auflagen anderweitig erfüllen würden: es steht ein langer, bürokratischer Prozess vor uns, bevor die Türen des Berger Kinos wieder für die Allgemeinheit geöffnet werden dürfen. Dass es gerade in diesen Zeiten mehr niedrigschwellige Orte des gesellschaftlichen Miteinanders und der Partizipation braucht und, dass diese Orte unterstützt, anstatt verhindert werden sollten, liegt eigentlich auf der Hand.

Wir haben das Berger Kino aus einem langen Schlaf wachgeküsst. Wir haben gemeinsam mit vielen Menschen gezeigt, wie partizipatives und selbstorganisiertes, queeres und feministisches Kino das Viertel bereichern kann. Wir haben uns damit bereits jetzt in die Kino- und in die Bewegungsgeschichte der Stadt eingeschrieben. Kürzlich haben wir mit unseren Kooperationspartner*innen, dem Grandfilm Verleih, Mal Seh'n Kino und Lichtspiel e. V., ein hieb- und stichfestes Betriebskonzept vorgelegt, das diesen Herausforderungen gerecht wird. Von den anderen Interessent*innen am Kino haben wir noch immer nichts gehört. Wir fordern die Eigentümer Steib und die von ihnen erwähnten Investor*innen erneut auf: Zeigt euch, macht eure Konzepte öffentlich und eure Motivation transparent! Nur so kann das Kino im Sinne der Öffentlichkeit wiedereröffnen, anstatt zu einem weiteren kommerziellen Kulturort mit Ticketpreisen von 11-20€ zu verkommen, das weiten Teilen der Stadtgesellschaft unzugänglich bleibt.

Es wird nicht mehr möglich sein, das Berger weiter dem Verfall oder Investor*inneninteressen zu überlassen. Wir sind zu den Anwält*innen des Kinos als nachbarschaftlich gestaltetem Raum geworden. Wir werden nicht ruhig bleiben, bis es seine Türen wieder für Alle öffnet und bis die Bilder wieder über die Leinwand tanzen. Es lebe das Kino!